Killerspiele!
Und wer ist schuld? Die Killerspiele. Natürlich.
Nach dem Amoklauf von Winnenden war ja eigentlich abzusehen, dass früher oder später wieder alles auf die Killerspiele als Auslöser der Gewalttat geschoben wird. So schreibt Beispielsweise der SWR (Quelle):
Nach dem Amoklauf mit 16 Todesopfern hat die Polizei “einen ersten Anhaltspunkt” für ein Motiv des 17-Jährigen. Der Amokläufer habe sich in letzter Zeit viel mit Killerspielen beschäftigt
Ich will dem SWR hier mal zugute halten, dass die Formulierung einfach unglücklich gewählt ist. Aber aus dem Spielen sogenannter Killerspiele direkt ein Motiv abzuleiten, halte ich für überaus fragwürdig.
Wenn jetzt auch direkt wieder Politiker vorpreschen – so zum Beispiel Thüringens Innenminister Karl Heinz Gasser im Chat mit der ARD – und ein Verbot für Killerspieler fordern, frage ich mich wirklich, wieso die Werten Damen und Herren Politiker immer diesen vermeindlich einfachen Weg wählen, Gewalttaten, im speziellen durch Jugendliche, zu erklären.
Es kann doch nicht sein, dass wir anfangen, alle unsere sozialen Probleme den Killerspielen als lieblings Prügelknaben der Nation zuzschieben. Vielleicht sollte man sich mal im sozialen Umfeld des Jungen nach möglichen Tatmotiven um sehen.
So hieß es ja auch heute morgen im zum Beispiel Radio (auf 1Live, wenn ich mich recht erinnere), dass der Junge ein Außenseiter war. Vielleicht trägt sowas ja auch zu einer Tat bei?
Um das hier abzuschließen, ich glaube die Politik und viele andere auch zieht hier falsche, oder zumindest zu starke Schlüsse aus dem Vorhandensein von Killerspielen auf dem Rechner von Tim. Nur weil jemand ein Killerspiel spielt wird er nicht gleich zum Amokläufer.
Bevor man Killerspiele verbietet sollte man vielleicht mal Eltern und Lehrer in die Pflicht nehmen, die Medienkompetenz der Jugendlichen zu stärken.
Sinnvoller als ein Verbot von Killerspielen wäre ja sowieso ein generelles Waffenverbot für Privateleute. Um mal wieder den SWR zu zitieren (Quelle):
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich der ehemalige Schüler Tim K. die Tatwaffe aus dem Schlafzimmer des Vaters, der Mitglied in einem Schützenverein ist, entwendet.
Was nützen uns alle Waffengesetzte und Waffentresore dieser Welt, wenn Lieschen Müller sich eine Waffe legal Kaufen und unters Kopfkissen legen kann, die quasi für jeden zugänglich ist?
Spiel ist Spiel und Ernst ist Ernst.